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Entwicklungszusammenarbeit
Handel statt Hilfe

In der neuen Welt der Globalisierung braucht es Marktwirtschaft statt Transfers. Die Zeit des Paternalismus ist vorbei.
Konferenz in Nairobi

Zainab Hawa Bangura (Mitte), United Nations Under-Secretary General, Nairobi mit, von links nach rechts: Arpita Nepal, Samriddhi Foundation, Nzau Musau, FNF Nairobi, Ralf Erbel, Leiter FNF Ostafrika und Global Partnership Hub, Inge Herbert, FNF Regionalbüroleiterin Subsahara-Afrika, Regierungsvertreter Abdisalan Ibrahim, Prof. Paqué und Dr. Matthias von Bismarck-Osten 

© FNF Kenya

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit veranstaltete am 22. und 23. Juni 2026 in Nairobi, wo sich ihr Global Partnership Hub befindet, eine Konferenz zu dem Thema "Transforming International Development Cooperation: Markets, Interests and Partnerships in a Changing Global Order". Karl-Heinz Paqué, Präsident der Liberalen Internationale, nahm daran teil. Er fasst im Folgenden eine der zentralen Botschaften der Tagung aus seiner Sicht zusammen.

In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Entwicklungsländer unabhängig. Viele von ihnen schotteten sich ab, um ihre Märkte vor der übermächtigen ausländischen Konkurrenz aus den Industrieländern zu schützen. Indien und Brasilien, beides große Nationen, sind prominente Beispiele dafür. Aber es gilt auch für viele afrikanische Länder. Das Ergebnis war rundum enttäuschend: Stagnation der Wirtschaft und fortgesetzte Armut der Bevölkerung. Die Industrieländer reagierten ihrerseits mit Programmen der Entwicklungshilfe, zumeist als zwischenstaatliche Transfers, die oft in Korruption und Misswirtschaft versandeten. Bis heute wird dieses traditionelle Modell der Unterstützung in einem paternalistischen Geist praktiziert. Die Ergebnisse sind frustrierend schlecht. Es gibt praktisch kein Land der Welt, das nachweislich durch Entwicklungshilfe einen dynamischen wirtschaftlichen Schub nach vorne erlebt hat.

Ganz anders sieht es mit ehemals bitterarmen Nationen aus, die ihr Land für den Handel öffneten. Die Beispiele sind Legion - vor allem in Südostasien. Zuletzt erlebte Indien auf diese Art ein "Wirtschaftswunder". Immer mehr Länder folgen diesen Beispielen, auch in Afrika. Ein breiter Aufholprozess hat eingesetzt, und es zeigt sich, dass die jungen Bevölkerungen dieser Länder jene unternehmerischen Talente und auch die nötige Bildung sowie große Affinität zu digitaler Technologie mitbringen, die es braucht, um wirtschaftlich aufzuholen. Die Engpässe liegen allerdings vor allem in den unternehmerischen Risiken, die beim Übergang vom Stadium des Start-ups in die Skalierung zu einem mittelständigen Betrieb entstehen - hier fehlt es am Risikokapital und am Vertrauen der Kapitalmärkte, den Weg in die internationalen Märkte zu begleiten. Genau an dieser Stelle - in der Finanzierung und im Bankwesen - kann eine internationale Unterstützung nützlich sein. Sie liefert nichts anderes als das, was innerhalb von Industrieländern üblich ist, in Deutschland durch staatlich gesponserte Investitionsbanken, die nach sorgfältiger Prüfung der Risiken ausgewählte unternehmerische Gründungs- und/oder Expansionspläne fördern, möglichst weitgehend nach rationalen betriebswirtschaftlichen Kriterien.

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Es fragt sich allerdings: Was hat dies noch mit traditioneller Entwicklungspolitik zu tun? Tatsächlich sehr wenig, und das ist gut so. Es geht stattdessen darum, Markteinstieg und -aufstieg zu erleichtern, und zwar in einem strikt gewinnorientierten, marktwirtschaftlichen Umfeld. Dazu zählt auch eine möglichst starke Integration in die Weltwirtschaft durch bi- oder plurilaterale Handelsabkommen mit Industrieländern, die das Protektionsniveau möglichst weit senken. Gerade in dieser Hinsicht kann vor allem die Europäische Union hilfreich sein, indem sie afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Ländern den Zugang zu den eigenen Märkten erleichtert - anders als es leider die USA von Donald Trump tun, die sich gegenüber Importen aus Entwicklungsländern abschotten. Es lohnt sich also auch aus moderner entwicklungspolitischer Sicht, dem Rat des liberalen kanadischen Premierministers Mark Carney vom Weltwirtschaftsforum im Januar 2026 zu folgen und eine Offensive von Handelsabkommen im Rahmen der Regeln der Welthandelsorganisation zu entfachen, um der Globalisierung neue Dynamik zu verschaffen. Auch ärmere Entwicklungsländer werden davon profitieren, selbst wenn die USA nicht mitmachen.

Eine solche Offensive kann dann flankiert werden durch viele denkbare selektive Maßnahmen, die das Hineinwachsen der ärmeren Nationen in die weltwirtschaftliche Arbeitsteilung unterstützen - mit Schwerpunkten auf dem Risikokapital, das auch das internationale Vertrauen in die neuen wachsenden Standorte erhöht. Kurzum: Entwicklungspolitik nicht als Transfer anstelle von Märkten, sondern als Instrument zur Schaffung von Märkten und marktwirtschaftlich nachhaltiger Wertschöpfung.

Dies ist ein zutiefst liberaler Ansatz, den auch die deutsche FDP explizit und nachhaltig zu einem Programmschwerpunkt machen könnte. Tatsächlich haben die Liberalen in Deutschland eine lange Tradition als Avantgarde moderner Entwicklungspolitik. Immerhin war Walter Scheel in den frühen sechziger Jahren der erste Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, nachdem das Ministerium neu eingerichtet worden war. Es wird Zeit, im zweiten Viertel des 21. Jahrhunderts einen weiteren liberalen Qualitätssprung zu machen: weg von der paternalistischen Hilfe und hin zur eigenständigen marktwirtschaftlichen Integration auf Augenhöhe von möglichst allen Ländern der Welt, bis hin zu den heute noch ärmsten.

Inge Herbert, FNF-Regionalbüroleiterin für Subsahara-Afrika:

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