Leipziger Buchmesse 2025
FNF auf der Leipziger Buchmesse: Plattform für liberale Debatten und Zukunftsthemen

Die Leipziger Buchmesse ist keine reine Buch- und Verlagsausstellung, sondern mit seinen unzähligen Veranstaltungen auf dem Messegelände und in der Stadt Leipzig ein Besuchermagnet für ein bundesweit anreisendes Publikum. In diesem Jahr wurden die Besucherzahlen noch einmal um 13 000 im Vergleich zum Vorjahr übertroffen. 296 000 Menschen strömten an vier Tagen zur Messe. Es ist eine Veranstaltung mit Relevanz auch für die politischen Institutionen und Stiftungen. Die Friedrich-Naumann-Stiftung beteiligte sich mit einem vielbeachteten Stand und insgesamt 13 Veranstaltungen sowie 1060 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Diese vier Tage zeigten deutlich, welche Bedeutung unsere Stiftung für die kommenden vier Jahre ohne FDP-Bundestagsfraktion und etlichen fehlenden Landtagsfraktionen zukommt: Wir bieten eine Plattform, in der liberale Inhalte mit Bürgerinnen und Bürgern und auch mit Fachleuten diskutiert werden. Die Menschen sind auf der Suche nach einer Ansprache und Ausdrucksmöglichkeit jenseits der endlos in der medialen Öffentlichkeit diskutierten Thesen und Dogmen einer eher staatsgläubigen und bevormundenden Gesellschaft. Im nun dritten Jahr als Aussteller und Programmgestalter der Leipziger Buchmesse haben wir noch nie so viel Zuspruch und auch Dankbarkeit der Menschen erfahren, dass wir etwas unangepasst und trotzdem mit klarem demokratischen Kompass die Herausforderungen der Zeit thematisieren.
Der TikTok-Schock - Desinformation gegen die Demokratie
Auf dem Panel "Der TikTok-Schock - Desinformation gegen die Demokratie" diskutierten Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Friederike Moraht und Teresa Widlok über die Bedrohung unserer demokratischen Gesellschaft durch gezielte Falschinformationen.

Die zentrale Frage lautete: Wie gefährlich ist Desinformation für unsere Demokratie, und welche Maßnahmen können ergriffen werden? Eine zentrale Erkenntnis der Diskussion war, dass Desinformation häufig als politischer Kampfbegriff missbraucht wird, während ihre tatsächlichen Auswirkungen auf die Meinungsbildung oft unzureichend erforscht sind.
Die kürzlich veröffentlichte Umfrage der Friedrich-Naumann-Stiftung will diese Lücke mit einem Blick auf die Nutzenden zumindest teilweise schließen. Die Ergebnisse der Umfrage offenbarten signifikante Unterschiede in der Anfälligkeit für Desinformation, wenn man nach dem im Mediennutzungsverhalten differenziert. Insbesondere Nutzer von TikTok, X und YouTube neigten eher dazu, falsche oder verzerrte Informationen für wahr zu halten oder klare Tatsachen nicht als solche zu bezeichnen. Ein Beispiel ist, dass TikTok-Nutzer in Deutschland deutlich seltener glauben, dass China gezielt Desinformation verbreitet. Dies wirft Fragen zur Rolle von Social-Media-Plattformen bei der Informationsvermittlung auf.
Abschließend wurde der politische Umgang mit Desinformation im Kontext der Bundestagswahl und der neuen Regierungsagenda diskutiert. Während Plattformen wie TikTok in offiziellen Verhandlungsdokumenten nicht explizit genannt werden, sind zumindest erste Hinweise auf geplante Maßnahmen zur Regulierung von Desinformation enthalten. Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass ein stärkerer Fokus auf die Forschung zu Desinformation gelegt werden sollte, um demokratiegefährdende Entwicklungen zu erkennen und ihnen wirksam entgegenzutreten.
Demokratie und KI: Wie technologischer Fortschritt demokratische Strukturen stärken kann
Die Podiumsdiskussion „Demokratie und KI“ warf ein Schlaglicht auf die Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz in der liberalen Demokratie. Nach einem Impulsvortrag von Nikolai Horn, Co-Autor des Gutachtens „Demokratie und KI“, diskutierten Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, Bernd Schlömer, Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt sowie Beauftragter der Landesregierung für Informationstechnik, und Nikolai Horn unter der Moderation von Charlotte Zeller.
Die Diskussion hob die Notwendigkeit klarer Rahmenbedingungen hervor, um KI mit demokratischen Werten zu vereinen. Experten forderten eine intensivere Auseinandersetzung mit neuen Technologien in Politik und Verwaltung sowie mehr politische Bildung und technisches Know-how, um Chancen und Risiken besser zu bewältigen. Zudem müsse Europa unabhängiger von US- und China-dominierten KI-Systemen werden, um langfristig Souveränität und Rechtsstaatlichkeit zu sichern.

Die Diskussion zeigte eindrucksvoll: KI ist weder bloßes Risiko noch naive Hoffnung, sondern kann ein mächtiges Werkzeug sein, um demokratische Prozesse zu stärken – sofern sie klug reguliert und sinnvoll integriert wird.
Demokratiebildung und Schülerpartizipation
Die Heranführung Jugendlicher an demokratische Grundprinzipien und die Bindung junger Menschen an die liberale Demokratie - auch dies gehört zu den Kernaufgaben schulischer Bildung. Wie dies gelingen kann, welche Mechanismen und Praktiken in der Schule geeignet wären, um Schülerpartizipation zu fördern - dies alles ist Gegenstand unserer Publikation "Demokratiebildung und Schülerpartizipation", die das Institut „IconKids&Youth“ in Umfragen und Auswertungen für uns untersucht hat.
Erstmalig vorgestellt wurden die Ergebnisse nun auf der Leipziger Buchmesse. Dr. Maren Jasper-Winter, Mitglied des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, und Ingo Barlovic, geschäftsführender Gesellschafter des Instituts "IconKids&Youth", sprachen unter der Moderation von Jasmin Kolakovic über Handlungsfelder sowie Herausforderungen bei Demokratiebildung und Schülerpartizipation an deutschen Schulen.

Dabei wurde deutlich: Es gibt bereits viele positive, vielversprechende Ansätze, doch das Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft. Schulen können und sollten noch stärker als Orte gelebter Demokratie verstanden und gestaltet werden.
Rolle rückwärts DDR? Wie unsere Freiheit in Gefahr gerät
Freiheit ist auch zentrales Thema im Buch von Katja Adler. Sie beobachtet aufmerksam Entwicklungen in unserer Gesellschaft und im öffentlichen Diskurs, die in den Argumentationsmustern durchaus mit einer Relativierung eigener und familiär erfahrener Diktaturmuster vergleichbar seien. Dabei spielt die DDR nicht das zentrale Thema, sondern lediglich den Bezugspunkt. Es geht um Meinungsfreiheit, Herrschafts- und Machtstrukturen sowie die Rolle der Medien. Sowohl zur Buchvorstellung am Nachmittag am Messestand, als auch am Samstagabend war das Interesse des Publikums groß und auch das Bedürfnis nach Austausch zu diesen Themen.

Putins Gift: Russlands Angriff auf Europas Freiheit
Cyberangriffe, Giftanschläge, Desinformationskampagnen: Die Attacken auf Europas liberale Demokratien sind längst keine abstrakte Gefahr mehr, sondern Realität. Das russische Regime führt diesen Kampf erbittert. Immer aggressiver versuchen die Mächtigen im Kreml, Staaten zu unterwandern und schwache Demokratien zu zerstören. Das russische Gift zersetzt Gesellschaften, indem es vorhandene Schwachstellen nutzt und Gräben vertieft. Auch vor Deutschland und der EU macht Putins Angriff nicht halt.
Die Bestseller-Autoren und Ortskenner Gesine Dornblüth und Thomas Franke zeigen, wie Russland vorgeht: in Armenien, Georgien, der Ukraine, den baltischen Staaten und Zentralasien, aber auch in den USA und der EU. Sie schreiben über Angst, Geschichte, Unwissenheit, Literatur und Religion, und zeichnen nach, wie sich Putins Gift bereits subtil in die Gesellschaften gefressen hat. 100 Besucher folgten der Buchvorstellung im Forum Sachbuch + Wissenschaft. 65 drängten sich im Anschluss zum weiteren Gespräch zu diesem Buch um den Stand der Friedrich-Naumann-Stiftung.

Ulf Poschardt: Shitbürgertum
2013 hielt Dr. Ulf Poschardt die Rede zur Freiheit. 12 Jahre später ist die Freiheit immer noch zentrales Thema seiner Texte. Mit seinem Buch "Shitbürgertum" beklagt er das Milieu der selbsternannten moralisch überlegenen Retter der Welt, die seiner Ansicht nach eigentlich nur eigene Privilegien und Interessen verteidigen. Diese habe nicht nur Institutionen wie Kultur, Medien und Wissenschaft durchdrungen, sondern Deutschland in eine tiefe Krise geführt – eine Krise, die nur durch radikale Selbstkritik und eine Rückbesinnung auf republikanische Tugenden überwunden werden kann. Der ehemalige Punk Poschardt begeisterte und elektrisierte die rund 400 Gäste mit seinen Forderungen nach radikalen Veränderungen. Dabei verstand er es, entgegen häufig vorgebrachter Vorwürfe, sich von den politischen radikalen Rändern zu distanzieren. Er traf damit offensichtlich eine Leerstelle beim Publikum, ein tiefes Bedürfnis nach Artikulation der diffus empfundenen Rat- und Hilflosigkeit. Das Nicken der Köpfe und der beständig aufflammende Zwischenapplaus des Publikums stellte eine Verbundenheit zwischen diesem und dem Autor her, die nur selten in Lesungen dieser Art anzutreffen war.
